Fachtag "Starke Schulsozialarbeit"

12.04.2019


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Am 12.04.2019 veranstaltete die Regionale Netzwerkstelle für den Schulerfolg im Landkreis Stendal den Fachtag „Starke Schulsozialarbeit“. Der Einladung folgten Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen, Vertreter und Vertreterinnen der freien Kinder und Jugendhilfe, Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Verwaltung des Landkreises Stendal und der Hansestadt Stendal, Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, Lehrer und Lehrerinnen, Schulleiter und Schulleiterinnen, Eltern, Netzwerkpartner und der Landrat des Landkreises Stendal. Fachkundig begleitet wurden unsere Gäste von Nadja Lösch und Lydia Bütof aus der Landesweiten Koordinierungsstelle „Schulerfolg sichern“.
Einleitende Worte zur Schulsozialarbeit im Landkreis Stendal
Nachdem die Gäste durch die Regionale Netzwerkstelle begrüßt wurden, nutzte der Landrat des Landkreises Stendal, Herr Carsten Wulfänger, die Gelegenheit, ein Grußwort an das Publikum zu richten. Herr Wulfänger lenkte den Blick der Anwesenden zurück auf die Anfänge der Schulsozialarbeit im Landkreis Stendal. Er stellte dar, wie sich diese entwickelt hat – von der Förderung durch das Fachkräfteprogramm, durch das Bildungs- und Teilhabepaket bis zum ESF-Programm „Schulerfolg sichern“. Er nutzte die Möglichkeit sich bei den Akteuren für die wertvolle Arbeit, die zum Schulerfolg der Kinder und Jugendlichen beiträgt, zu bedanken.

„Schulsozialarbeit unterstützt Schüler und Schülerinnen, Eltern und Pädagogen mit vielfältigen Methoden und hilft aktiv das Schulklima zu verbessern. Schulen, die Schulsozialarbeit haben, bringen heute eindeutig ihre Wertschätzung zum Ausdruck und können sich ihre weitere Arbeit ohne dieses wichtige Metier nicht mehr vorstellen. Ich glaube, dass die positiven Effekte von Schulsozialarbeit unstrittig sind und daher abgeleitet ein klares Ja zur Notwendigkeit wohl auch kaum in Frage stehen dürfte. Insofern haben Sie, wie bisher auch, meine Unterstützung – und diese aus voller Überzeugung.“

Bühnenprogramm


Nach dem Grußwort des Landrates, wurde die Tanzgruppe „Die Schollis“ der Sekundarschule „Geschwister Scholl“ in Goldbeck in Begleitung ihrer Schulsozialarbeiterin Frau Dombeck auf die Bühne gebeten. Hier präsentierten sie den Gästen einen Tanz, den sie in der AG „Tanzen“ gemeinsam mit Frau Dombeck einstudiert hatten. Im anschließenden Interview mit der Tanzgruppe, beschrieben die Schüler und Schülerinnen, dass die AG „Tanzen“ einen Ausgleich zum Schulalltag bedeutet. Die AG bringt Schüler und Schülerinnen aus unterschiedlichen Klassen zusammen. Die Bewegung tut ihnen gut, hält sie fit und gibt ihnen die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Das Erlernen der Schrittkombination trainiert neben dem Körper auch die kognitiven Leistungen und das Selbstbewusstsein, was sich wiederum positiv auf die schulischen Leistungen auswirkt.

Nach der Tanzgruppe betrat die Streitschlichtergruppe der Sekundarschule „Karl Marx“ in Osterburg die Bühne. Begleitet wurde diese von der Schulsozialarbeiterin Frau Rühlmann und der Lehrerin Frau Stange. Die Schüler und Schülerinnen inszenierten eine Streitschlichtung. Im anschließenden Interview wurde deutlich, dass die Schüler und Schülerinnen Freude an der Ausbildung zum Streitschlichter haben. Sie lernen Konflikte selbst zu lösen und fördern, gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin und einer Lehrkraft, ein respektvolles Miteinanderan der Schule. Die Streitschlichtergruppe ist ein positives Beispiel für eine multiprofessionelle Zusammenarbeit in Schule.

Das ESF-Programm „Schulerfolg sichern“ im Land Sachsen-Anhalt
Den Input zum ESF-Programm „Schulerfolg sichern“ im Land Sachsen-Anhalt lieferten Nadja Lösch und Lydia Bütof. Das Programm besteht seit 2008 und fördert kontinuierlich die Kooperation zwischen Schulen und Jugendhilfe. Im Jahre 2008 startete es unter dem Namen „Projekte zur Vermeidung und Verhinderung des vorzeitigen Schulabbruchs“ und wurde 2015 auf alle Kinder und Jugendliche ausgeweitet. Die Landesweite Koordinierungsstelle „Schulerfolg sichern“ setzt sich für eine zukunftsfähige Schulsozialarbeit ein.

Es folgte ein Überblick über die Programmschulen nach Regionen und ihrer Aufteilung nach Schulform:

Abschließend wurde die Frage beantwortet, was Schulsozialarbeit bei Kindern und Jugendlichen bewirkt.
Durch Schulsozialarbeit erfahren sie Sicherheit und Annahme. Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen fungieren als Vertrauens- und Rettungsanker, als Mutmachende, als professionelle Vermittler, als Brückenbauer, Begleiter und Unterstützer. Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen schenken Zuversicht und Selbstvertrauen. Sie sind Stärkenfinder, „Entwicklungshelfer“, verlässliche pädagogische Begleiter und Bildungspartner in multiprofessioneller Zusammenarbeit am Standort Schule und darüber hinaus.
Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen fördern die Selbstwirksamkeit der Schüler und Schülerinnen. Sie sind Netzwerker, Türöffner und Verbindende, Ermöglichende, Bildungspartner mit zahlreichen Ideen und Fähigkeiten zur Gestaltung von nonformellen Lern- und Bildungssettings.

„Starke Schulsozialarbeit“ im Landkreis Stendal
Janine Heinrich und Josefine Berghäuser, Netzwerkkoordinatorinnen der Regionalen Netzwerkstelle, präsentierten die Ergebnisse aus den 56 Interviews, die sie in den vergangenen 1,5 Jahren mit Schulleitungen, Lehrkräften, Schülern und Schülerinnen, Eltern, Schulsozialarbeitern und Schulsozialarbeiterinnen geführt haben.

Schulsozialarbeit im Landkreis Stendal wird seit 2009 durch das ESF-Programm „Schulerfolg sichern“ gefördert. Schulsozialarbeit stellt an 21 Schulen im Landkreis Stendal ein stabiles System dar, welches sich über die Jahre aufgebaut hat. Dieses beinhaltet sowohl die Zusammenarbeit mit den Akteuren in der Schule, als auch die mit den Netzwerkpartnern, die durch Schulsozialarbeit einen Weg in die Schule gefunden haben. Schulsozialarbeit trägt zum Schulerfolg bei und steht im Landkreis Stendal für Präsenz und eine feste Instanz. Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen stellen eine neutrale Vertrauensperson dar. Sie nehmen sich Zeit für die Schüler und Schülerinnen, für die Lehrkräfte und für die Eltern. Sie unterstützten alle, untereinander, miteinander und individuell und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen nehmen innerhalb der Schulen eine Vermittlerrolle ein.
Für die Schüler und Schülerinnen stehen sie in den Pausen zur Verfügung und im Notfall auch während des Unterrichts. Dabei geht es auch um Ängste, die sie den Schulsozialarbeitern und Schulsozialarbeiterinnen anvertrauen. Sie sind wichtige, vertrauensvolle Ansprechpersonen und zeigen Verständnis für Probleme, die über einen längeren Zeitraum angesprochen und bei Bedarf begleitet werden können. Außerdem setzen sie sich für alle ein und behalten Geheimnisse für sich.
Den Schulleitungen und Lehrkräften bieten Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen, mit ihren sozialpädagogischen Kenntnissen und Erfahrungen, Unterstützung im Klassenverbund, bei Dienstberatungen, bei Elterngesprächen oder bei Aktivitäten in und um Schule. Sie hospitieren bei Bedarf im Unterricht und geben neutrale Rückmeldungen. Gemeinsam haben Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen einen guten Überblick über die Schüler und Schülerinnen, können sich gegenseitig unterstützen und entlasten.
Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen unterstützen die Schulen bei der Elternarbeit. Durch regelmäßige Treffen in der Schule, z.B. bei einem Elterncafé, wird die Vernetzung der Eltern untereinander gefördert. Ebenso werden sie bei Veranstaltungen oder Ausflügen mit eingebunden. Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen helfen den Eltern bei Bedarf auch bei Behördengängen oder beim Ausfüllen von Anträgen, z.B. um den Zugang zu Angeboten durch das Bildungs- und Teilhabepaket zu ermöglichen.
Die Schulsozialarbeit unterstützt die Schule bei der Bereitstellung von gleichen Bildungschancen für alle Kinder und Jugendlichen. Sie motiviert die Schüler und Schülerinnen im Schulalltag und für ihre Zukunft. Sie hat alles im Blick und bleibt in Kontakt. Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen strahlen Ruhe aus und lenken den Blick hin zur Sachlichkeit. Sie ermuntern die Mitmenschen, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und sich selbst zu stärken. Sie unterstützen lernschwache Kinder und Jugendliche, oder sind bei Prüfungsangst da. Wenn möglich und notwendig nehmen die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen Kontakt zu anderen Schulen oder Netzwerkpartnern auf, um z.B. Jugendliche für ein Berufspraktikum zu motivieren oder initiieren Besuche in möglichen Ausbildungsstätten.
Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen widmen sich den sozialen Problemen der Kinder und Jugendlichen. Diese werden in gemeinsamen Gesprächen deutlich und mit der Unterstützung der Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen können Lösungsansätze aufgezeigt und wenn notwendig, an weitere Netzwerkpartner vermittelt werden. Sie tragen zur Konfliktbewältigung bei und dadurch treten in der Regel weniger klasseninterne Probleme auf. Die Konflikte in der Schule und darüber hinaus minimieren sich, weil Streitigkeiten ruhig mit den betreffenden Kindern und Jugendlichen zusammen gelöst werden. Die Lernmotivation steigt, weil unter anderem über Ängste gesprochen wird und gemeinsam Hemmnisse abgebaut werden können
Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen unterstützen dabei, der Schulverweigerung entgegen zu wirken. Sie erfassen Fehlzeiten, falls diese vermehrt auftreten und tauschen sich mit der jeweiligen Lehrkraft darüber aus. In schwierigen Fällen werden in der Schule oder mit Kooperationspartnern mögliche Lösungswege erarbeitet und die Zusammenarbeit gestärkt. Kinder und Jugendliche haben die Möglichkeit zu Wort zu kommen, auch Eltern werden hier mit einbezogen. Wenn es notwendig erscheint und eine Lösung darstellt, werden diese direkt zu Hause aufgesucht. Dank der sozialpädagogischen Lösungsansätze kommen die Kinder und Jugendlichen wieder regelmäßiger in die Schule und nehmen am Unterricht teil.
Schulsozialarbeit bereichert das außerschulische Leben der Kinder und Jugendlichen mit. Dazu bietet sie abwechselnd verschiedenste, individuelle und schulformbezogene Arbeitsgemeinschaften (AGs), Ferienangebote und Projekte an. Dies ermöglicht den Schülern und Schülerinnen einen Ausgleich zum Schulalltag. Die bedarfsorientierten AGs sorgen für einen ruhigen, gemeinschaftlichen Umgang in der Schule und ermöglichen es den Kindern und Jugendlichen sich klassenübergreifend kennenzulernen und gegenseitig zu unterstützen. So kann den Schülern und Schülerinnen ein informeller Bildungsweg bereitgestellt werden. Sie lernen Kochen, Regeln beim Fußballtraining oder werden kreativ. Diese geschützten Räume bieten ihnen die Möglichkeit, sich zu öffnen und geben ihnen das Gefühl, in ihrer Individualität ernst genommen zu werden. Die Kinder und Jugendlichen fühlen sich in der Schule sichtbar wohl und mit ihr verbunden.
Die Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen setzen auf präventive Angebote, die auch zum Teil mit den Lehrkräften gemeinsam initiiert werden. Sie bieten z.B. Sozialtrainings, Streitschlichtertreffen oder Anti-Aggressionstrainings an und unterstützen die Schüler und Schülerinnen bei einem positiven, ruhigeren Umgang miteinander, was sich wiederum förderlich auf das Lernverhalten auswirkt.

Wanderausstellung „Starke Schulsozialarbeit“ im Landkreis Stendal
Nach dem theoretischen Input, hatten die Gäste die Möglichkeit, sich bei Snacks und Getränken auszutauschen und die Wanderausstellung zu besichtigen. Diese kann in der Regionalen Netzwerkstelle für den Schulerfolg ausgeliehen werden.

Speed-Dating
Für das Speed-Dating standen an 4 Tischen insgesamt 8 Akteure aus dem Programm „Schulerfolg sichern“ im Landkreis Stendal als Gesprächspartner zur Verfügung. Darunter waren 2 Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen, 2 Trägervertreter und -vertreterinnen, 2 Schulleiter und Schulleiterinnen und 2 Elternvertreter und –vertreterinnen.
Die Akteure stellten sich den Gästen am Tisch vor. Sie beschrieben, wie sie mit Schulsozialarbeit in Berührung kommen und welche Funktion sie innerhalb des Programms „Schulerfolg sichern“ einnehmen. Anschließend reagierten sie auf Nachfragen und kamen mit den Gästen ins Gespräch.

Danksagung
Wir bedanken uns für das Zusammenwirken an diesem Tag. Wir bedanken uns bei allen, die den Fachtag mitgestaltet haben.
Ein Dankeschön geht an den Landrat des Landkreises Stendal für seine Unterstützung. Wir danken den Mitarbeiterinnen der Regionalen Netzwerkstelle für den Schulerfolg für die Vorbereitungen des Fachtags.
Wir bedanken uns bei der Tanzgruppe „Die Schollis“ aus der Sekundarschule Goldbeck und bei der Streitschlichtergruppe der Sekundarschule Osterburg für ihre tollen Darbietungen. Einen besonderen Dank an die Moderatorinnen und Referentinnen und an die „Experten und Expertinnen in eigener Sache.“
Ein großes Dankeschön für das interessierte und tatkräftige Mitwirken an die Gäste des Fachtages.