Fortbildung "Umgang mit rechten Eltern"

Aktuelles Grundwissen zum Thema Rechtsextremismus

16.03.2018

Die Fortbildungreihe entstand aus der bereits durchgeführten Weiterbildungsreihe „Methodenkoffer – Interventionsmöglichkeiten in der Jugend- und Sozialarbeit“ im Jahr 2017 vom Miteinander e.V.. Dabei ging es fortlaufend, um die Herausforderungen in der Jugend- und Sozialarbeit. Der Fokus lag auf den zunehmenden rassistischen Einstellungen, die zumeist aus den Elternhäusern resultieren und somit auch in und um Schule weiter getragen werden. Zur Weiterbildungsreihe wurde der Wunsch geäußert, mehr über das Thema Rechtsextremismus und den „Umgang mit rechten Eltern“ zu erfahren. Deswegen bietet der Miteinander e.V. weitere Module zum Thema an:

16.03.2018 Modul 1: „Aktuelles Grundwissen zum Thema Rechtsextremismus“
08.06.2018 Modul 2: „Besonderheiten, Möglichkeiten u. Grenzen in der Arbeit mit
                                   rechtsorientiertem Klientel“
21.09.2018 Modul 3: „Geschlechterbilder u. Rechtsextremismus“
06.11.2018 Modul 4: „Konfrontation mit rechtsextrem orientierten Eltern“

Modul 1: „Aktuelles Grundwissen zum Thema Rechtsextremismus“
Das erste Modul wurde von den Referenten Herr Mirko Wolff und Herr Ralf Perbandt, von der Kompetenzstelle „Eltern & Rechtsextremismus“ und Regionale Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus vom Miteinander e.V präsentiert. Diese wurden vorgestellt und leiteten das Thema mit verschiedenen Power-Point-Präsentationen ein und gingen in den Austausch mit Schulsozialarbeiter*Innen. Die Fortbildungreihe wurde nach den Bedarfen (Vorstellungen und Wünsche) der Schulsozialarbeit auszurichten und startete mit einer Frage an die Teilnehmenden:

  • Wie kann Elternarbeit und der Umgang mit rechtsorientierten Jugendlichen gemeistert werden?
  • Wie können wir unsere Erfahrungen mit dem erlernten Umsetzen?
  • Wie gehe ich mit den Eltern oder Kindern um?
  • Handlungsleitfaden, an wen wende ich mich – Beratungsstellen?
  • Was mache ich als Schulsozialarbeiter, wenn ich es weiß?
  • WhatsApp-Gruppen – ab wann und worauf reagiere ich?
  • Aktuelle Situation im Landkreis Stendal
  • Ab wann muss ich handeln?
  • Wie gehe ich damit um, welches Grundwissen benötige ich?
  • Wie verhalte ich mich, wenn ich in den sozialen Medien Rechtspropaganda sehe?

Wissen zu Rechtsextremismus wurde durch die Power-Point-Präsentation von Mirko Wolff vorgestellt. (Kompetenzstelle „Eltern & Rechtsextremismus“)
Dann wurde gleich ein Wunsch aufgegriffen und die Rechtsbewegungen von Neonazismus und rechten Parteien im Landkreis Stendal von Ralf Perbandt skizziert. Darunter „Die Rechte“, bestehend aus vereinzelten AnhängerInnen und Kadern, die von Stendal nach Magdeburg verzogen sind. Weiterhin gibt es die „NPD (Nationalsozialistische Partei Deutschland), die sich auch im Raum Tangerhütte aufhält, aber nicht mehr öffentlich aktiv ist, sondern in Einzelgruppen im Kreisgebiet, wie z.B. in den letzten Jahren in Insel, Havelberg. Zuletzt wurde der „III. Weg“ vorgestellt. Diese Gruppierung strukturiert sich in Brandenburg, die mit ihrer virtuellen Wirkung bis in den Kreis Stendal reicht.
Im Folgenden wurden Zahlen und Fakten zur Lage des Rechtsextremismus präsentiert: Im Herbst 2014 ist die Bewegung namens Pegida aufgekommen. Die Bürgerbewegung Altmark kam 2015/2016 in Berlin unter dem Motto: „Wir für Deutschland“ auf. Ein Jahr später 2017 formatierte sich die Volksbewegung Sachs-en-Anhalt und im Frühjahr des gleichen Jahres die „Freie Jugend Stendal“, mit dem Slogan „Stendal ist und bleibt Deutsch!“.
Weiterhin wurde über allgemeines zum Rechtsextremismus diskutiert:
Die Hooligans entsprechen nicht mehr dem typischen Bild, nun sind sie kaum zu erkennen und schließen Gegenbewegungen wie Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) ein, welche eine bundesweit agierende, vorwiegend aus der Hooligan-Szene stammende Aktionsgruppe ist, die sich nach eigenen Angaben gegen den Salafismus in Deutschland wendet. In der Diskussion kam auf, dass Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus im Grunde das gleiche meinen. In der Altmark gibt es den Altmärkischen Kreis der Bismarckfreunde (seit 2016), die Vorläufer der NPD sind und die Junge Alternative – junge Menschen der AfD (JA Kreisverband Altmark). Letztere setzen sich aus einem studentischen männlichen Milieu zusammen und sind den Burschenschaften ähnlich. Eine weitere ist die Identitäre Bewegung, bezeichnet und zusammengesetzt aus mehreren aktionistischen, völkisch orientierten Gruppierungen, die ethnopluralistisch-kulturrassistische Konzepte vertreten. Im Norden der Altmark sind nicht so viele organisierte Strukturen vorhanden, weil hier kein Brennpunkt ist.
Es wurde rege über das Vorgetragene diskutiert und folgende Fragen von den Schulsozialarbeiter*Innen beantwortet:

  • Ist Ihnen das was vorgetragen wurde bereits in der Schule begegnet?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Rechtsextremismus bereits gemacht?

Die Schulsozialarbeiter*Innen äußerten, Schüler der 1. Klasse malen Hakenkreuze und beleidigen ausländische Praktikanten. Im Hausaufgabenheft befinden sich gemalte eiserne Kreuze und es werden Aussagen von einem 5. Klässler wie, „Englisch kann ich nicht, ich bin als Deutscher geboren.“, getätigt. Zudem werden in der Schule Äußerungen von Schülern gemacht, wie: „Du Browni“, „Kanacke“. Auch fänden sich auf Tischen eingeritzte Hakenkreuze. Beobachtungen des Kleidungsstils, der Bewegungen und des Verhaltens sind auffällig und deuten auf Rechtsextremismus hin, z. B. wird der Hitlergruß gezeigt. Auch Spätaussiedler fallen zu diesen Themen mit Mobbing gegenüber Flüchtlingen auf und wählen die AfD. Es wurde auch davon berichtet, dass Eltern Kontaktverbote auferlegen.
Mit vielen neuen Eindrücken zum Thema verließen die Teilnehmenden die Veranstaltung. Der zweite Teil der Fortbildungsreihe findet am 08.06.2018 zum Thema: „Besonderheiten, Möglichkeiten u. Grenzen in der Arbeit mit rechtsorientiertem Klientel“ statt.